Als Deutscher in den USA

20. März 2017 @ 0 Kommentare

Heute:   Bad Hombre

Der hiesige Präsident hat die Quelle allen Übels im Land erkannt: Es ist der sogenannte „Bad Hombre“, was frei übersetzt so etwas wie „Übelmann“ bedeutet und irgendwie ganz explizit meinen Nachbarn zu beschreiben scheint. Nicht, dass der nun jeden Tag mit Sombrero und vor der Brust gekreuzten Patronengürteln à la Zwei-Pistolen-Pete besoffen auf der Treppe vor meinem Apartment sitzt und in die Luft ballert, aber fast. Allerdings hat er mir glaubhaft versichert, er hätte Angela Merkel zum Abschluss der Pressekonferenz die Hand geschüttelt.

Naja, aber schauen wir mal.

Andreas Kraatz spricht über Bad Hombre – Foto: AK

„Bad Hombre“ ist ja immer so ein gewaltiger Begriff, den eigentlich nur Clint Eastwood oder Samuel L. Jackson ungestraft benutzen können haben sollten, oder so. Mein Nachbar hat mal versucht, „goldene Eintrittskarten“ für den Himmel zu verkaufen, zu 100 Dollar das Stück. Als die Cops ihn geschnappt hatten, bot er ihnen an, Jesus mit reinzuziehen, „denn der hätte ihn dazu angestiftet“. Aber ob ihn das gleich zu einem „bad hombre“ macht? Da gibt’s Schlimmeres, wenn Sie mich fragen.

Irgendwann haben Streifenbeamte meinen Nachbarn mal laut schnarchend auf dem Rasen vor dem Sitz des Gouverneurs gefunden. Als die Cops ihn endlich wach hatten, sprang mein Nachbar ins Achtung, salutierte stramm und blökte irgendwas auf Spanisch. Dann erklärte er, dass er „nur 30 gefahren sei und ihn niemand wegen der Sache mit der Ente dran kriegen könnte“. Außerdem fahre er die Strecke immer, und wenn, dann nur „die nächste links“. Die Beamten waren ratlos, denn weit und breit war kein Auto zu sehen. Ihr Schläfer war eindeutig zu Fuß unterwegs. „Kann ich jetzt nach Hause?“, fragte mein Nachbar schließlich ungeduldig. „Ich muss Hupe üben“.

Also schön, mein Nachbar dehnt den Begriff der Wahrheit bisweilen etwas, aber machen wir das nicht auch? Auf Facebook? Twitter? Snapchat? Sehen Sie. Hier lebt sogar einer, der fest glaubt, er sei der Präsident. Er will Mauern bauen, um bad hombres davon abzuhalten, über die Grenze zu kommen. Straight out of Paralleluniversum, wenn Sie mich fragen. Da kommt jede Hilfe zu spät. Oh, mein Nachbar hat mir mal während der hiesigen Hitzewelle erzählt, in seinem Dorf wären gebratene Schweine mit Messer und Gabel im Rücken rumgelaufen, so warm sei es gewesen.

Da kontert man am besten einfach.

Hinter der Mauer lauert der „Bad Hombre“ – Foto: PAH

Ich hab’ ihm dann gesagt, dass wir als Kinder immer Äpfel in die Luft geworfen haben, die dann als Bratäpfel wieder runter gekommen sind. Dazu gibt’s dann immer leckere Kräuterzigaretten, bis die Bimmelbahn kommt. So haben alle ihren Spaß. Aber jemanden deswegen gleich bad hombre zu nennen? Wegen der Pornokarriere vielleicht. Mein Nachbar behauptet ja immer noch steif und fest, er hätte in dem wohl berühmtesten Porno aller Zeiten eine tragende Rolle gehabt.

Ich war beeindruckt.

Leider stellte sich später heraus, dass er nur der Lieferbote eines Supermarktes war. Keine nackten Tatsachen. Eine Tüte mit grünen Gurken ausgeliefert und das war’s. Kein Wunder, dass Hollywood nie nachgefragt hat. Mein Nachbar wird’s überleben. Ich habe ja auch im Jahr 2015 geschrieben, Donald Trump sei „ein barocker Charakter, charming und volksnah, wie seinerzeit Franz Josef Strauß“. In schwachen Momenten werfe ich mir nun vor, mitgeholfen zu haben, um Trump in den Sattel zu heben.

Vielleicht macht mich das ja zu einem „bad hombre“?

 

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