Lesemann und Miersch besuchen JVA Sehnde

16. März 2017 @

Zu einem Besuch der JVA Sehnde waren die Landtagsabgeordnete Dr. Silke Lesemann und der Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Miersch am Mittwoch an den Schnedebruch gekommen. Dort haben sie mit den stellvertretenden Anstaltsleitern Kerstin Buckup und Dominik Nillies über Themen wie Belegungszahlen, Vollzug und Resozialisierung gesprochen.

Dr. Matthias Miersch und Dr. Silke Lesemann (v.re.) im Gespräch mit Kerstin Buckup und Dominik Nillies (v.li.) – Foto: JPH

Mit 481 Insassen in Sehnde und zusätzlichen 94 in Burgdorf mit Freigang ist die 2004 in Betrieb genommene Sehnder JVA eine der modernsten, größten und ausbruchsichersten in Niedersachsen. Die Anstalt ist für die Sicherheitsstufe II und mit 20 Plätzen für die Sicherheitsstufe I, also für Gefangene mit besonderem Gewaltpotential, gebaut. Rund 300 Angestellte arbeiten in der Einrichtung. Inzwischen ist die Einrichtung in Sehnde gut integriert, nutzt die wirtschaftlichen regionalen Angebote und die Stadtverwaltung Sehnde betreut die Insassen bezüglich Sozialfürsorge und Meldewesen.

„Ich erinnere mich noch“, so die Landtagsabgeordnete Dr. Lesemann, „als die Einrichtung hier geplant und gebaut wurde: Bedenken, Vorbehalte und Ängste. Nur Männer, längere Haftstrafen und ist das auch sicher? Aber alle Befürchtungen sind nicht eingetreten. Inzwischen ist die JVA ein Wirtschaftsfaktor in der Stadt und bestens integriert.“ Auch Miersch erinnert sich an seine ersten Jahre als Anwalt für Strafrecht. „Als solcher kenne ich die JVA und hatte hier bis 2009 mit Mandanten zu tun. Sie hat sich sehr positiv weiterentwickelt.“

An diesem Tag haben sich die beiden Abgeordneten die Werkstätten angesehen, Tischlerei und Schlosserei, dort mit den Meistern gesprochen und die integrative Aufgabe erkannt. So nimmt die Tischlerei den lokalen Betrieben nicht etwa die Arbeit weg, wie zunächst befürchtet, sondern arbeitet für sie in einer Art Vorproduktion von großen Teilen zusammen. „Wir waren beeindruckt von der positiven Motivation aller Mitarbeiter“, so Miersch nach den Gesprächen. „Die Meister könnten sicher aus draußen gut arbeiten. Heute geht es nicht einfach um ‚Wegschließen‘ wie früher, sondern um das Öffnen möglicher Perspektiven.“

Auch die Altersstrukturen schlagen sich inzwischen bei der Arbeit in der JVA nieder. „Der demografische Wandel führt auch hier zu vielen älteren Strafgefangenen“, sagt Lesemann und Buckup fügt hinzu: „Wir haben Inhaftierte, zu denen kommt inzwischen der Pflegedienst. Die sind liegend gefangen oder haben Rollatoren und müssen betreut werden. Einen speziellen ‚Senioren-Knast‘ wie in Nordrhein-Westfalen gibt es in Niedersachsen nicht.“ Auch als Ausbildungsbetrieb ist die JVA eingebunden. „Wir machen mit den Azubis eine zweijährige Ausbildung hier zum Justizvollzugsfachwirt“, so Buckup. „Und mit der KGS Sehnde gibt es eine Kooperation in Projekten. Im Mai kommt wieder eine 11. Klasse zu Besuch für einen Tag.“

Der Grill „Sehnde“ für den JVA Shop wird in der Schlosserei hergestellt – Fotol: JPH/Archiv

Einen breiten Raum nahm mit den Besuchern auch das Gespräch über die geplante Novelle des Strafvollzugs ein. Dabei sprach man sich über die Auswirkungen der geplanten Änderungen auf die Arbeit in der JVA aus. So soll die Arbeit zukünftig auf zwei Säulen abgestützt werden: die Einbeziehung der Familien der Strafgefangenen und die stärkere Opferorientierung. Das beinhaltet bessere Besuchsmöglichkeiten für die Straftäter in der Anstalt sowie auch ein Auskunftsrecht für die Opfer, beispielweise im Hinblick auf den Freigang des Täters, um Kontakt zu vermeiden. „Wir müssen uns im Vollzug umorientieren“, so Nillies. „Aber das Ziel, den Täter die Tat im Gefängnis nicht ausblenden zu lassen, ist richtig. Jetzt muss er sich mit dem Opfer befassen und kann es nicht übergehen.“

Auch Miersch will beobachten, wie sich die geplante Novelle auswirkt und welche Erfahrungen sich damit in der Praxis ergeben. Am Ende ihres gestrigen Besuches zogen die beiden Abgeordneten ein einstimmiges Fazit: Die JVA Sehnde ist eine „supergeführte und hochmotivierte Einrichtung“.

 

 

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