Jüdisches Leben heute: Vortrag und Gespräch mit Dr. Rebecca Seidler

9. Februar 2017 @

In kaum einem anderen Land hat sich jüdisches Leben in den vergangenen Jahren so dynamisch entwickelt wie in Deutschland. Zugleich fragen sich heute viele Jüdinnen und Juden, wer sie sind und was ihre Identität ausmacht. Dr. Rebecca Seidler ist eine von ihnen. Auf Einladung der Gedenkstätte Ahlem berichtet die junge Frau am Sonntag, 12. Februar, von ihren persönlichen Erfahrungen als Jüdin in Deutschland. Vortrag und Gespräch in der Gedenkstätte Ahlem an der Heisterbergallee 10 beginnen um 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Dr. Rebecca Seidler kommt zum Vortrag in die Gedenkstätte – Foto: Iris Klöpper

Dr. Rebecca Seidler gibt einen ganz eigenen Einblick in heutiges jüdisches Leben: Was bedeutet es, als Jüdin in Deutschland zu leben? Welche Rolle spielt Antisemitismus im Leben von jüdischen Menschen? Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den anderen Weltreligionen? Welche innerjüdischen Strömungen gibt es? Und wie kann der interreligiöse Dialog gefördert und ausgebaut werden? Diese und weitere Fragen kommen im Rahmen der Diskussionsrunde mit den Besucherinnen und Besuchern zur Sprache.

Rebecca Seidler ist promovierte Diplom-Sozialpädagogin (M.A.), zertifizierte Mediatorin und Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und Hochschulen in Niedersachsen. Sie ist aktives Mitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover und engagiert sich ehrenamtlich. Vor einigen Jahren hat sie den Verein „Jung und jüdisch“ gegründet, der Freizeiten organisiert und Gottesdienste gestaltet. Am Freitagabend zündet sie zu Hause die Schabbat-Kerzen an, ihre ganze Familie kommt dann zum Singen, zum Beten und zum Essen zusammen. Jüdische Traditionen gehören für sie zum Alltag dazu.

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1 Kommentar → “Jüdisches Leben heute: Vortrag und Gespräch mit Dr. Rebecca Seidler”


  1. Ingrid Hübenthal

    10 Monaten veröffentlicht

    Der Vortrag hat mir sehr gut gefallen. Es war wohltuend einmal zu erleben, wie man ganz vorurteilsfrei miteinander umgehen kann. Ich glaube, dass es notwendig ist für uns alle, Juden oder Nichtjuden Strategien zu erlernen, wie man besser mit unerwartetem Antisemitismus in den alltäglichen Äußerungen der Mitmenschen umgehen kann. Mir geschieht es oft, dass ich zwar empfinde, hier stimmt etwas überhaupt nicht, dann fange ich an zu überlegen, ob das jetzt gewollt antisemitisch oder rassistisch war, ob es Ignoranz war, gezielte Provokation oder ob da nur jemand wiederholt, was ihm seine Eltern oder falschen Idole eingehämmert haben.

    Das heißt, ich bin sprachlos. Langes Nachdenken ist immer auch sprachlos sein. Normalerweise kann ich ganz gut kontern, ja. Dummheit und Bosheit machen mir aber stets zu schaffen. Davon habe ich schon sehr viel erlebt.

    Die Einladung habe ich bekommen, weil ich im DGB-Chor singe und weil ich mich schon länger für die Veranstaltungen in der Gedenkstätte interessiere und auch schon an einigen teilgenommen habe.

    Wir sind im DGB-Chor sehr daran interessiert, gute Kontakte zu allen Bevölkerungsgruppen und auch zu anderen Ländern zu haben. Als Chor mit gewerkschaftlichem Hintergrund liegen uns besonders die Interessen und Probleme der Arbeitnehmer, Immigranten, Arbeiter aus anderen Ländern, die Arbeitswelt in anderen Ländern am Herzen. Ein weiterer Schwerpunkt ist jedoch auch immer die politische Seite vieler Probleme, sowie Antikriegslieder und wie sie entstanden sind.

    Es gibt Partnerchöre in Griechenland und im Baskenland.

    Für die Zukunft erhoffe ich mir, dass in unserer Gesellschaft das Denken ‚wir‘ und ‚die Anderen‘ nicht weiter um sich greift, das nur dazu dient, die Gesellschaft komplett zu spalten, Gruppen auszugrenzen, um sie herabzusetzen, zu schikanieren usw. Wohin das führt, haben viele von uns noch erlebt. Ich nicht mehr, da ich Jahrgang 1951 bin. Ich bin mir jedoch bewusst geworden, dass unsere ’schweigende Mehrheit‘ den Mund aufmachen und öfter demonstrieren muss, um sich nicht von den Maulhelden überrennen zu lassen.

    Vielen Dank an Frau Dr. Seidler – ich glaube ich habe sie vor ein paar Jahren schon einmal auf einer Demo gesehen.

    Beste Grüße und weiter so!
    So etwas ähnliches hatte ich mir tatsächlich bei der Umstrukturierung der Gedenkstätte damals vorgestellt, als ich ‚Begegnungsstätte, um von einander zu lernen‘ gesagt hatte.
    I. Hübenthal


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