Der Müllinger Hahn ist zurück

28. Juli 2016 @

Rund vier Monate war der Hahn weg, jetzt sitzt er wieder – welche Freude! Geboren wurde das Metalltier an der Spitze des Turmes der Müllinger Kirche im Jahr 1706, glaubt man der Inschrift. Alles andere aber, sein Unterbau, ist neu. Der war nämlich im März 2016 „abgestürzt“ nach einem Sturm und damit nicht mehr verkehrssicher. Deshalb hatte sich die Kirchengemeinde „12 Apostel“ gemeinsam mit dem evangelisch-lutherischen Kreiskirchenamt Hildesheim entschlossen, die Spitze komplett renovieren zu lassen. Das übernahm dann der Metallrestaurator und –gestalter Dirk Zeyher aus Hildesheim, der gemeinsam mit der Dachdeckerfirma Marc Vornkahl aus Nettlingen das Ensemble herunter holte – und nun auch wieder auf den Kirchturm setzte. Verbunden damit war die gleichzeitige Erneuerung der Blitzschutzanlage an der Turmspitze, die damit wieder modernen Erfordernissen entspricht.

Dirk Zeyher mit der neuen Bekrönung und dem alten Knopf - Foto: JPH

Dirk Zeyher mit der neuen Bekrönung und dem alten Knopf – Foto: JPH

Viele Leser werden sich an den Tag der Abnahme des Hahns erinnern, als aus der durchgerosteten Kugel , auch „Knopf“ genannt, zahlreiche alte Dokumente zu Tage kamen. Die sogenannte „Bekrönung“ bestand damals aus einer Bleimanschette mit Blitzableiter, dem Knopf, dem Kreuz und eben dem Hahn, von dem niemand sein wahres Alter weiß, wie Heinz-Hermann Nolle, Kirchenchronist, und Dirk Zeyher gemeinsam bestätigen. „Bei dem Knopf und dem Kreuz handelt es sich um ältere Materialien, aber das genaue Jahr kann man schlecht angeben“, so Zeyher. „Der Kaiserstiel war noch mit Blei ummantelt, was man heute auch nicht mehr macht.“ Die im Knopf gefundenen Unterlagen  reichen zwar etwa bis ins 19. Jahrhundert zurück, aber die neuesten sind aus der Inflationszeit 1914 bis 1923 und dazu ein Wahlschein aus dem Jahr 1924 – ein Indiz dafür, wann das Ensemble das letzte Mal bearbeitet wurde.

Zeyher und Thomas Völlkopf (vo.) bereiten das Aufsetzen vor - Foto: JPH

Zeyher und Thomas Völlkopf (vo.) bereiten das Aufsetzen vor – Foto: JPH

Am Freitag, 22. Juli, kam die neue Bekrönung nun zurück an ihren Platz. Das Kreuz hat Zeyher komplett neu erstellt aus Edelstahl in schwarz, den Knopf aus Kupfer geformt und den Hahn restauriert – beides mit Goldüberzug und Gleitlager, versteht sich. Die Bleimanschette, die beim Sturm teilweise mit den Ziegel der Schwerkraft folgte, ist ersetzt durch einen Kupferkegel – mit dem Blitzschutz darunter. Das Ganze wurde nun gemeinsam mit der Firma Vornkahl wieder auf den Kaiserstiel gesetzt und am Mittag kam der Techniker für die Blitzschutzmontage. Alles in 20 Metern Höhe auf einer Bühne neben der Turmspitze, gemeinsam mit Thomas Völlkopf, der den Steiger steuerte.

Die Kirchturmspitze ist wieder komplett, der Hahn zurück - Foto: B. Nolle

Die Kirchturmspitze ist wieder komplett, der Hahn zurück – Foto: B. Nolle

„Im Knopf sind Kopien der aufgefundenen Unterlagen, sowie neue Stücke“, erklärte Heinz-Hermann Nolle. „Wir haben für unsere Zeit eine Dorfchronik auf USB-Stick, Münzen, einen Gemeindebrief und eine Zeitung hineingelegt. Die gefundenen Originale werden im Pfarrhaus in Oesselse im Archiv aufbewahrt.“ Die Kosten für die Erneuerung betragen laut Nolle rund 9500 Euro, wovon die Gemeinde 2000 Euro selbst beisteuert. Da die Arbeiten sich an diesem Morgen doch länger hinzogen als die Gemeinde erwartet hatte, fand der eigentlich für etwa 10.30 Uhr geplante Gottesdienst mit Annegret Austen erst um 13 Uhr statt – mit Hahn auf dem Turm, doch noch ohne Blitzschutz. Aber das Wetter war ja ganz ok…

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